
Einer der ältesten Baustoffe
Neben dem Holz zählt Lehm zu den ältesten und bekanntesten Baustoffen der Menschheit. Man kann den Lehmbau in Russland beispielsweise auf ein Alter von 10.000 Jahren datieren, weiß aber, dass die Nutzung noch weiter zurückreicht. So galt der Baustoff Lehm bei den Sumerern und Ägyptern als wichtigste Grundlage beim Hausbau oder für die Schaffung von Monumentalgräbern. Auch der schon in der Bibel erwähnte berühmte Turm von Babel soll, modernen Ausgrabungen und Nachforschungen zufolge, fast vollständig aus Lehmziegeln bestanden haben.
In der Bronzezeit wurde in Deutschland Lehm als Füllmaterial für Palisaden und Flechtwänge eingesetzt, wie Ausgrabungsfunde belegen.
Bereits im 6. Jahrhundert v. Chr. wurde Lehm beim Bau von Festungsmauern eingesetzt.
Von den Kelten weiß man, dass sie bereits Gefache beim Hausbau nutzten, die mit Lehm gefüllt wurden. Die Böden ihrer Häuser bestanden aus Stampflehm.
Die Chinesiche Mauer, eins der herausragendsten Bauwerke der Menschheit, besteht zum größten Teil aus Lehmziegeln.
Ein Drittel der Menschheit lebt heute in Lehmhäusern.
Über alle Jahrhunderte hinweg wusste man um die Eigenschaften und praktische Nutzbarkeit des Lehms und nutzte ihn entsprechend vielseitig und häufig. Erst als zunehmende Industrialisierung und mit ihr Beton und Zement aufkamen, galt der Lehm mehr und mehr als veraltet und unmodern und geriet fast in Vergessenheit. Erst seit Ende der 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts erlebt der Lehm eine Renaissance. Ökologische Bauweisen, althergebrachte Techniken und verantwortungsbewusstes Bauen gegenüber Mensch und Umwelt gewinnen wieder an Bedeutung.